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Schloß und Herrschaft Hornegg

Ein Jahrtausend hindurch, von der Besiedlung des 9. Jahrhunderts bis zur „Bauernbefreiung“ 1848, bestimmte die Grundherrschaft die soziale und rechtliche Lage der Bauern, aber auch der Bürger in patrimonialen, das heißt grundherrschaftlichen Märkten, wie Preding einer war. Die Grundherrschaft hatte ihren Ursprung in den königlichen Landschenkungen des Frühmittelalters an Kirche und Adel. Die Waldgebiete mit vereinzelten Vorläufersiedlungen wurden von den Leuten der neuen Grundherren gerodet. Das Herren- oder Dominikalland mit dem Herrschaftssitz (eventuell mit Eigenkirche oder -kapelle), dem Mayerhof, mit bestimmten Äckern, Wiesen, Wäldern und Weingärten, mit dem Jagd- und Fischereirecht, mit Mühlen, Tafernen usw. blieb in eigener Bewirtschaftung durch den Grundherrn, der hiebei jedoch meist auf die zur Robotleistung verpflichteten bäuerlichen Untertanen zurückgriff. Das viel umfangreichere Bauern- oder Rustikalland hingegen wurde an Bauern in Leihe zur Nutzung ausgegeben – das Eigentum stand aber weiterhin dem Grundherrn zu, der seine Güter und die darauf sitzenden Untertanen nach Belieben verkaufen, vertauschen, aufteilen oder sonst weitergeben konnte. Daraus erklärt sich auch, daß nur wenige Dörfer einer Grundherrschaft allein gehörten, sondern die örtlichen Bauern ihre Abgaben an verschiedene Herren zu leisten hatten. In Preding begegnen so neben der dominierenden Herrschaft Hornegg die Herrschaften Freibühel, Weißenegg, Burgstall und Limberg sowie die kleinen Gülten der Kirche und Pfarre Preding. Für die Nutzung des Grundes hatte der Bauer bestimmte Zinse zu dienen, zunächst in Naturalien, später in Geldeswert. Die Hornegger Untertanen hatten ihre Höfe, Huben, Hofstätten und Weingärten meist unter dem Titel des Kaufrechtes inne, konnten ihren Besitz mit Zustimmung der Grundherrschaft vererben oder verkaufen, mußten dieser aber bei jeder Besitzveränderung eine Gebühr, eben das Kaufrecht, zahlen. Auch bei Verlassenschaftsabhandlungen und anderen grundherrschaftlichen Amtsgeschäften für die Untertanen wurden verschiedene Taxen und Schreibgebühren fällig. Die einzelnen Bauern mit ihren Gründen waren regional in sogenannte „Ämter“ zusammengefaßt, in denen ein bäuerlicher Amtmann die Verbindung zur Grundherrschaft herstellte. Außerdem war der Untertan bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts seinem Grundherrn in der Zivilgerichtsbarkeit, der niederen Strafgewalt und hinsichtlich der Polizeistrafen unterworfen, die Gerichtsbarkeit über Leib und Leben übten als Landgerichtssitze privilegierte Grundherrschaften oder Magistrate aus. Ohne Zustimmung des Grundherrn durfte der Untertan nicht heiraten, wegziehen oder seine Tätigkeit ändern, der Grundherr als Mitglied der Landstände hob von den Untertanen zusätzlich auch die auf den Landtagen bewilligten Steuern und Abgaben, deren es oft viele gab, für den Landesfürsten, den steirischen Herzog, ein.

Umfang, Ämter und Rechte der Herrschaft Hornegg

Um jederzeit einen Überblick über die zugehörigen Untertanen und Rechte zu haben, legten zunächst die geistlichen, bald auch die weltlichen Grundherrschaften sogenannte „Urbare“, Besitzverzeichnisse, an, in denen die einzelnen Bauern mit den zu leistenden Diensten eingetragen waren. Als Wolf von Saurau seine Herrschaft Hornegg 1603 an Anna Maria Watzler verkaufte, geschah dies ebenfalls auf der Grundlage eines solchen Urbars, das einen Einblick in den damaligen Umfang der Herrschaft gibt. Sie bestand zunächst aus dem Schloß Hornegg selbst, „allermassen es iezo erbaut, mit desselben Zimmern, Stuben, Cämmern, Khellern, Gwelben, Khuchlen, Cässten, Ställen, Khuchl- und Lustgärten“, und dem daneben stehenden Mayerhof. Gleich darauf folgte der erworbene Pramerhof zu Tobis, der damals noch Dominikalland war und von dem dem Pfarrer zu Hengsberg der Hirsezehent zu reichen war. Im folgenden Urbar von 1620 findet auch das Haus in Wildon vor dem Markt samt einem Keller und einer Wiese Erwähnung, weiters das Remanenzgeld der Bürger für die 1609 erfolgte Erlassung der Robot. Weiters war von jedem auf der Fleischbank geschlachteten Stück Vieh der Herrschaft die Zunge zu reichen, und der im Markt wohnende Krämer hatte jährlich ein Pfund Pfeffer und ein Pfund Ingwer als Abgabe zu liefern. Die Untertanen sind 1603 bereits nach Ämtern gegliedert; sie saßen zu Preding, Tobis, Groß- und Kleinflüssing, Lichendorf, Schönaich, Hohenfeld, Premstätten, Dobreng, Petzendorf, St. Margarethen, Gugglitz, Perbersdorf und Luttenberg. Im 18. und frühen 19. Jahrhundert begegnen als eigene Ämter der Markt Preding, Tobis, Schönaich, Premstätten, Perbersdorf bei St. Veit am Vogau, Weniggleinz, Kehlsdorf, St. Margarethen, Flüssing und Hohenfeld mit insgesamt 367 Urbarnummern, dazu die Weinbergämter zu Leibnitzberg, Tobis, Flüssing, Kehlsberg, Weniggleinz, Pirkaberg, Luttenberg und Dobreng. Weiters waren seit dem späten 17. Jahrhundert Dominikalgründe zerteilt und an Untertanen ausgegeben worden, was 21 zusätzliche Eintragungen im Urbar ergab. Die Ämter Schönaich, Perbersdorf, Dobreng und Luttenberg waren Lehen des steirischen Herzogs und wurden von diesem vergeben, alles andere freies Eigen der Saurau. Von den zu Hornegg gehörenden Weingärten hob die Herrschaft neben den Grundzinsen um Hornegg, zu Leibnitz, zu Gams und Kraubath einen Wein- und Mostzehent ein, der mit anderen geistlichen oder weltlichen Grundherren der Nachbarschaft zu teilen war: jener um Hornegg mit dem Pfarrer zu Hengsberg, mit Raphael Stibich und den Holzapflschen Erben, jener zu Leibnitz mit dem Bischof von Seckau und den Eggenbergern, zu Gams mit dem Herrn von Wildenstein auf Wildbach, dem Propst von Stainz und dem Pfarrer zu Gams und jener zu Kraubath mit Franz Freiherrn zu Racknitz. 1796 wurde der Weinzehent den einzelnen Zehentgemeinden der Herrschaft Hornegg überlassen. Den Getreidezehent im Kainachtal und Grazer Feld hatte der Erzbischof von Salzburg als Lehen ausgegeben, er wurde 1603 mit dem Pfarrer zu Hengsberg, der Witwe nach Leonhard von Saurau, den Holzapflschen und den Türckhschen Erben eingehoben. Im „Crabathl“ (bei Kraubath) forderte Hornegg einen sogenannten „Stockh Zehent“, dazu „in der Höll“ einen Zehent sowie in einzelnen weststeirischen Orten einen Zehent an Hirse und Haar (Flachs), der in Vierteln bzw. Zechling zu reichen war. Vier Bauern von Schönaich hatten im Auftrag der Herrschaft Hornegg in den Pfarren St. Florian, St. Ulrich, Landsberg und Gams ebenfalls einen Haarzehent einzuheben. Die Zehente waren verkäuflich; so gehörten 1676 in der Höll fünf Achtel des Zehents zu Hornegg, drei Achtel nach Eibiswald und der Drittelzehent dem Pfarrer zu Hengsberg. Der Stockzehent zu Kraubath sowie einer zu Wieselsdorf gehörte zum zweiten Teil der Herrschaft, war aber verpachtet, den dritten Teil hob das Bistum Lavant ein. An Ertrag brachte beispielsweise der große Zehent im Kainachboden im Jahre 1676 88 Schober 4 Garben Korn, 84 Schober 7 Garben Waiz und 34 Schober 2 Garben Hafer. Im Kainachtal, Grazer Feld und in der Höll bestand auch ein Zehent an Käse, Hühnern und Gänsen. Elf Untertanen in Badendorf hatten das Richterrecht, eine Abgabe zur Anerkennung der Gerichtsbarkeit, zu leisten, sieben Untertanen zu Zwaring das Marchfutter, eine Haferabgabe.

Die dominikalen Äcker umfaßten im Jahre 1603 vier schöne Äcker „enhalb des Prämerhofes“ und sechs weitere Äcker im Bereich des Gantschenberges zur Herrschaft Hornegg. Neun Wiesen, kleinere Wiesflecken bei untertänigen Äckern und zwei Obstbaumgärten, einer beim Schloß und einer „unter dem Scherhaufen“, werden ebenso aufgezählt wie elf Waldstücke, darunter ein „schöner großer Wald“ bei St. Florian, die Prantl- und Spiegelhölzer, im Pagglgraben und neben dem Schloß, genannt das „Khirchholz“. Desgleichen gehörte die Sauruggmühle mit vier Läufern der Herrschaft Hornegg und war niemandem sonst dienstbar. Aus dem Burgfried der Herrschaft, in dem diese die niedere Gerichtsbarkeit ausübte, waren sogenannte „Malefizpersonen“ – Übeltäter, die Vergehen gegen Leib und Leben begangen hatten – auf einem Brückel über das Nislpachl (Flüssingbach) dem Landgericht Oberwildon zu übergeben. Die Jagdrechte im Burgfried, auf der Schönaicher Leiten, im Mettersdorfer Hart und auf der Wohlsdorfer Schrötten gehörten zur Herrschaft, weiters vier Teiche und das Fischrecht im Tobisbach, in der Oisnitz von Alling bis zum Stainzbach, im Stainzbach von der Mündung des Teipelbaches bis zur Laßnitz, weiter die Laßnitz abwärts bis zum Ainpach – zum Teil auch in den begleitenden Lahnen – waren ebenfalls Bestandteile der Herrschaft. Hornegg besaß die Freiheit (Hoheit) über den Markt Preding und die Vogtei über die Kirche nebst Kirchtagsbehütung, das Recht, den von den Bürgern gewählten Richter zu bestätigen und hob von allen Grundstücksverträgen und Verlassenschaftsschätzungen ein Kaufrecht von 15 Prozent ein, dazu im Todesfall eines Untertanen „den besten Ochsen in seinem Stall“. Schreibgelder, das „Bluembsuech“ – Weiderecht – ums Schloß Hornegg und Angaben zur Robot schließen das Urbar ab. Im Gültbuch der steirischen Landschaft stand die Herrschaft Hornegg Mitte des 18. Jahrhunderts mit einem Wert von 205lb.3d. verzeichnet, nach Zuschreibung der Herrschaft St. Joseph und der Gült Doblegg mit insgesamt 344lb.1s.14 3/4d. Die Weingärten der Herrschaft Hornegg lieferten mitunter köstliche Weine, für die es in der Umgebung immer Interessenten gab. Nach Rieden bezeichnet, lagerten beispielsweise im Jahre 1689 im Luttenberger Keller Granauer, Pleschinizer, Khager und Pfäfferberger Weine, im Gartenkeller Khager und Leibnitzberger, im Zwingerkeller Marburger und im Schenkkeller Scherkogler und Grabner Wein. Verkauft und geliefert wurde Wein an die „geistlichen Herren“ im Stift Stainz (die Eigentümer Horneggs), an den Stiftsanwalt, an die Fleischhacker in Wildon und Lankowitz, den Postmeister zu Wildon, den Richter zu Preding, den Hofpfleger in Graz, den Pfarrer zu St. Stefan ob Stainz, die Herrschaft Lankowitz und sogar an das Minoritenkloster in Villach. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts umfaßten die zur Herrschaft Hornegg gehörigen Äcker eine Fläche von 24 Joch 1557 Quadratklafter, die Wiesen 78 Koch 203 Quadratklafter, die Gärten nur ein Joch 33 Quadratklafter. Die zu Grundstücken umgewandelten Teiche nahmen 15 Joch 1195 Quadratklafter ein, die Hutweiden elf Joch 1100 Quadratklafter. Diese Dominikalrealitäten erbrachten (in gerundeten Werten) etwa 129 Metzen Weizen, 129 Metzen Korn, 173 Metzen Gerste, 1140 Zentner Heu und 444 Zentner Grummet. Dazu verfügte Hornegg noch über Wälder im Gesamtumfang von 271 Joch 226 Quadratklafter, hauptsächlich mit Fichten, Birken, Erlen, im Kirchholz Föhren, Buchen und Eichen bewachsen, sowie über drei zwischen 1559 Quadratklafter und vier Joch 511 Quadratklafter große Weingärten. Der Ziegelofen erzeugte in einem Brand etwa 15.000 Mauerziegel und um die 4000 Dachziegel, er war um 1810 neu errichtet worden.

Die Verwaltung der Grundherrschaft

Die Wirtschaft und Verwaltung einer so ansehnlichen Grundherrschaft delegierten die jeweiligen Grundherren an entsprechendes Personal. Der Verwalter Seifried Spiz legte 1601, noch unter den Saurau, Rechnung über 520fl. an Einnahmen für verschiedene grundherrschaftliche Gebühren; Ausgaben gingen auf für Arbeitslöhne von Mayr, Strohschneider und Drescher, Anschaffungen fürs Schloß, Werkzeug und Fleisch. Das Gesinde erhielt von der Herrschaft Schuhe und Stiefel, so die Köchin, die Wäscherin, die Sauhirtin, der Kuhhirte (auch jener am Pramerhof) und der Torwärter. Die Stainzer Pröpste verfügten in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts auf Hornegg über die folgenden Bediensteten: Der Pfleger als höchster und dem Propst verantwortlicher Herrschaftsbeamter bezog ein Jahressalär von 50 Gulden nebst einem Drittel der eingehenden Schreib- und Inventurtaxen sowie der Strafgelder; dadurch sollte er zu entsprechender Ahndung von Delikten der Untertanen seines Verwaltungsbereiches angespornt werden. In dieser Funktion begegnen zwischen 1674 und 1676 Wilhelm Prugger und nach ihm Georg Bernhard Kreuzer. Der dem Pfleger beigegebene Schreiber erhielt 16 Gulden Besoldung, der Schaffer, zeitweise zugleich Mayr, 14, seit 1676 18 Gulden und fallweise Zusatzgebühren. Der Mayr Mörth Thaman mußte 1681 für den wegen seiner Nachlässigkeit verdorbenen Haiden eine Strafe von 2fl.2s. entrichten. Der Hofbinder, zuständig für die Herstellung von Fässern für den herrschaftlichen Wein sowie für Behältnisse für die Fische der Teichwirtschaft, wurde mit 30fl. entlohnt; von 1674 bis 1683 treffen wir in dieser Funktion Simon Haller, Sebastian Reissner, Mathias Spiess, Michael Mayr, Peter Friedrich und Georg Führer. Dem Hofjäger (1674 Hanns Schaller) waren 20fl. ausgemessen, dem Fischer- und Jägerjungen acht Gulden und ein Laib Brot. Den großen Schlüsselbund trug die Beschließerin (15fl. Besoldung); sie war dafür verantwortlich, daß abends sämtliche Türen der Schloßgebäude versperrt waren. Pfisterin (Bäckerin) und Kuchldirn mit je sechs Gulden Lohn, Mayr (10fl.) und Mayrknecht (8fl.), Ochsenknecht (6fl.), Kuhhirte (6fl.) und Kälberbub (5fl.), Mayrdirn (5fl.), Sauhirtin (5fl.) und Hühnerdirn (3fl.) rundeten das Personal von Hornegg ab. Weinzerle in den herrschaftlichen Weingebieten sollten einen entsprechenden Weinertrag sicherstellen; am Spiegelberg war dies 1674 Sebastian Walter mit 27fl. Besoldung, am Scherkogl Adam Rauscher (21fl.). Bevor der Pramerhof 1713 auf zwei Keuschler verteilt wurde, arbeiteten dort ein eigener Mayr und eine Mayrin. Der Mayr bezog 5fl. und ein Deputat von mehreren Vierteln verschiedenen Getreides. 1765 hielt das Stift Stainz zusätzlich noch einen Burgfrieddiener im Personalstand (Besoldung 8fl.). Dem Gerichtsdiener der Bezirksherrschaft Hornegg wurde 1822 vorgeschrieben, neben seinem Säbel und Stock durch einen Rock kenntlich zu sein, dessen Aufschläge in der Farbe verschieden sein mußten. Zusätzlich trug der Diener einen gestülpten Hut.

Aus den Verwalterrechnungen und den darin aufgelisteten Einnahmen und Ausgaben sind Hinweise auf das Leben im Schloß zu gewinnen. Die Augustiner-Chorherren von Stainz begaben sich mehrmals jährlich zur „Recreation“, zur Erholung, nach Hornegg, der Verwalter hatte alles zu ihrer Zufriedenheit vorzubereiten. So im Winter 1764/65, als es galt entsprechende Mengen Brennholz vorzubereiten und im Februar aus Graz Delikatessen heranzuschaffen: Junge Tauben, Heringe und Sardellen, Austern, Muscheln und Krebse, Zitronen, Rehschlögel, Mandeln, Kaffee und Tee, Zucker, Weinberln, Muskatblüten, feinen Saffran, Zimt und andere Gewürze, Konfektschalen, Rosoglio (Likör), neue Gläser und sogar sechs Kartenspiele. In der Fastenzeit wurden Stockfische, Heringe und andere Fische verzehrt, am Geburtstag des Prälaten von Stainz Schildkröten, Kapaune, Hühner, Bratwürste, Krebse, Spargel und Biskotten. An Ausgaben der herrschaftlichen Wirtschaft schlugen in jenem Jahr weiters zu Buche unter anderem Kosten für das Beschlagen der Mayrwagen, für das Aderlassen von zwanzig Stück Hornvieh und die Kur eines kranken Ochsen, für das Wetteramt in der Pfarrkirche, für Kerzen zur Schloßbeleuchtung, für Leinöl, für Schafwolle, eine neue Kaffeemühle, für die Mitwirkenden am Streckenfischen, für Fischtransporte nach Graz und die Beförderung von Weingartstecken nach Perbersdorf, für das Neusatteln der Kutsche, für zu schreibende Verkündzettel, für den Grazer Krautschaber (für das Schaben von zwei Bottichen Kraut), für Tischwäsche und für Botenlöhne. Mit den staatlichen Verwaltungsreformen unter Maria Theresia und Joseph II. nahmen nicht nur die üblichen grundherrschaftlichen Verwaltungsgeschäfte zu, Hornegg wurde (noch unter Stift Stainz) 1779 Sitz eines Werbbezirkskommissariates für die umliegenden Herrschaften, ja, Hornegg fungierte bis zur Einführung der Bezirkshauptmannschaften und Bezirksgerichte nach der Revolution von 1848 als Bezirksobrigkeit und war somit eine Ebene unter den staatlichen Kreisämtern die erste politische Instanz. Der Verwalter führte den Titel eines Bezirkskommissärs. Für die vielen an übergeordnete Instanzen abzugebenden Berichte amtierten auf Hornegg im Jahre 1827 unter den Freiherren von Mandell ein Verwalter, ein Rentbeamter, ein substituierter Bezirkskommissär, ein Kontrollor und ein Amtsschreiber. Der Werbbezirk umfaßte die gesamte Pfarre Preding mit dem Markt Preding selbst und neun Gemeinden sowie einen Teil der Pfarre Hengsberg mit sieben Gemeinden. 1818 lebten im Bezirk 3581 Menschen in 774 Häusern. Die Aufhebung der Grunduntertänigkeit im Jahre 1848 brachte zwar den Hornegger Bauern ihre persönliche und wirtschaftliche Freiheit, für die Verwaltung der ausgedehnten Dominikalgründe des Gutes Hornegg bedurfte es jedoch weiterhin zahlreichen Personals, an dessen Spitze der Verwalter stand. Eine Liste des Jahres 1947 etwa verzeichnet 27 Familien mit 70 Personen als im Schloß wohnhaft, darunter neun Familien aus Österreich, elf aus Südtirol, die anderen aus Jugoslawien, Ungarn und Böhmen. Von diesen waren immer noch zwanzig Familien im Dienst der Gutsverwaltung und arbeiteten in der Land- und Forstwirtschaft mit.

Schloß Hornegg

Die Burg der Hornecker erleichterte durch ihre beherrschende Lage auf einem Ausläufer des Spiegelkogels, der auf drei Seiten abfällt, die Verteidigung, zudem bestand Sichtverbindung zu bedeutenden Nachbarburgen. Ihren Namen erhielt die Burg wohl nicht nach einem Horn, sondern nach dem alt- und mittelhochdeutschen Wort für Sumpf, hor(e); Hornegg bedeutet daher die über einem Sumpf gelegene Burg. Kein Bild gibt Kunde über das Aussehen von Burg und Schloß Hornegg vor dem Jahre 1680, erst auf dem Kupferstich in Georg Mathäus Vischers Schlösserbuch erhebt sich der schlichte Bau mit dem kleinen Turm auf einem von Obstbäumen bestandenen Hügel. Um einen kleinen Innenhof mit Arkadengängen lagen vier Trakte angeordnet, die aus einem großen Umbau um die Mitte des 16. Jahrhunderts stammten, als Gilg von Saurau Hornegg besaß. Das mit der Jahreszahl 1557 datierte Hauptportal bezeichnet den Abschluß dieses Ausbaues. Aus dem dritten Viertel des 18. Jahrhunderts, also noch knapp der „Stainzer Zeit“ Horneggs, stammt die Sandsteingruppe im Park vor dem Schloßportal, die Maria mit dem Kinde und dem Johannesknaben zeigt. Die Figuren werden dem bedeutenden Bildhauer Veit Königer zugeschrieben. Als nach der Aufhebung des Augustiner-Chorherrenstiftes Stainz Schloß und Herrschaft Hornegg an den Staat fielen, mehrten sich die Klagen über den schlechten Bauzustand des alten, „durch mehrere Jahre zusammengebauten“ Schlosses und der zugehörigen Wirtschaftsgebäude. Um 1800 ist von zahlreichen Kommissionen und Planungen zur Behebung dieser Baugebrechen die Rede. Auch das Inventar der Schloßkapelle war stark abgenützt; es bestand im Jahre 1796 unter anderem aus einem Altar von weichem Holz, einem weiteren sehr alten Altar, vier Altarleuchtern, einer alten Lampe, einem Meßglöckl, vier zinnenen, allerdings zerbrochenen Opferkannen, einem sehr schlechten Orgelpositiv, einem Weihbrunnkessel aus Kupfer, einem silbernen Kelch, acht Meßgewändern und zwei Meßbüchern. Im Turm hingen zwei metallene Glocken. Die Turmuhr allerdings mußte in den Jahren 1803, 1805 und 1809, jeweils von unterschiedlichen Uhrmachermeistern, instandgesetzt werden. Ein Einbruch in die Kanzleiräume der Bezirksobrigkeit Hornegg in der Nacht vom 6. auf den 7. September 1813 – die Diebe raubten hier deponierte Kapitalien und Waisengelder im Werte von über 908 Gulden – veranlaßte die Staatsgüterverwaltung, die Fenster und Türen besonders zu sichern. Der Räuber Georg Wögerer wurde übrigens Jahre später festgenommen und wegen seiner zahlreichen Verbrechen mit dem Strang hingerichtet. Eine Gutsbeschreibung aus dem Jahre 1818 gibt Einblick in die Baulichkeiten der Kameralherrschaft Hornegg und deren Zustand. Das herrschaftliche Schloßgebäude war mit Ziegeln gedeckt, zwei Stockwerke hoch und besaß einen sehr kleinen Schloßhof. In den zwei unterirdischen, gewölbten Weinkellern war Platz für beiläufig 56 Startin Wein in Halbstartinfässern (ein Startin entspricht 566 Litern), daneben bestanden ein geräumiger Kraut- und Rübenkeller und ein Einsetzkeller. Im Erdgeschoß des Schlosses bestanden drei geräumige Gewölbe, darin die Verwalters- und kleine Kontrollorsküche, Backküche, Selchküche, Küchenrequisitenkammer, das kleine Milchgewölbe, ein gewölbtes Gesindezimmer, ein stuckiertes Gesindezimmer, eine Torwächterkammer, eine Zeugkammer, ein gewölbtes kleines Hühnerkammerl, ein „Privet“ (Abort) – alles in mittelmäßigem baulichen Zustand. Im ersten Stockwerk lag gegen Osten ein geräumiger, ziegelgepflasterter Vorsaal (guter Bauzustand), gegen Süden vier Wohnzimmer mit Stukkatur, ein gewölbtes Wohnzimmer (im guten Bauzustand), ein Privet (mittelmäßig), gegen Westen zwei Wohnzimmer mit Stukkatur (guter Bauzustand), eine feuergefährliche kleine Notküche für die Amtsschreiber (schindelgedeckt, schlechter Zustand), gegen Norden eine Amtskanzlei mit Stuckatur, ein gewölbtes Archiv (guter Zustand), ein großes „Rondellen Zimmer den Einsturz drohend“ und ein bereits eingestürztes Privet. Das zweite Stockwerk schließlich bot gegen Osten einen geräumigen ziegelgepflasterten Vorsaal (guter Zustand), gegen Süden drei Wohnzimmer mit Stuckatur (guter Zustand), ein Privet (mittelmäßig), gegen Westen einen großen einsturzgefährdeten Saal, gegen Norden zwei Wohnzimmer (guter Zustand), „in der Rundellen die sehr gefährliche den Einsturz drohende Kapelle“ und am Dach einen hölzernen Turm im schlechten Zustand. An Wirtschaftsgebäuden in der näheren Umgebung des Schlosses verzeichnet die Gutsbeschreibung den gemauerten, gewölbten, aber nicht eingedeckten und teilweise schon eingestürzten „Brukenkeller“ (bei der Schloßbrücke gelegen), den teilweise gemauerten Getreidekasten, dann die Bindhütte, Eisgrube, Wagenschupfen mit einem gewölbten Keller für ca. 20 Startin in Halbfässern, einen Einsetzkeller, zwei Zeugkammern. Alles schindelgedeckt und in mittelmäßigem Zustand. Im gemauerten, ziegelgedeckten großen Weinkeller konnten etwa hundert Startin Wein oder Most in Halbfässern untergebracht werden, im Gebäude befand sich auch ein kleiner Getreidekasten, eine Hühnerkammer und die Weinpresse, doch war alles ziemlich baufällig. Für die Familie des bäuerlichen Maiers errichtet war das gemauerte und ziegelgedeckte Mayerhaus, bestehend aus einem geräumigen gewölbten Keller (für ca. 50 Startin Wein oder Most in Halbstartinfässern), einer Küche, zwei kleinen Schweineküchen, zwei Wohnzimmern, einem gezimmertes Privet; der Bauzustand war damals zufriedenstellend. Das Vieh war in geräumigen Stallungen untergebracht. Hornegg verfügte über eine gemauerte, strohgedeckte Pferde- und Kühestallung von ziemlich gutem Bauzustand, enthaltend zwei Pferdeställe für acht Pferde, eine Futterkammer, einen Kuhstall für zehn Stück Kühe, einen Stier und sechs Kälber, sowie die gemauerte, ziegelgedeckte und zweigeteilte Ochsenstallung für 20 Ochsen (guter Zustand). Einem für 18 Stück Schweine in neun Abteilen berechneter gemauerter, ziegelgedeckter Schweinestall hingegen wurde nur mittelmäßiger Bauzustand zugebilligt. Die gemauerte, ziegelgedeckte Dreschtenne mit zwei Dreschböden und drei Strohbarren (guter Zustand), die kleine gemauerte strohgedeckte Streuhütte (alias Hirschenkeller, schlechter Zustand), der gemauerte brettergedeckte kleine Obstdörrofen (schlechter Zustand) und das gemauerte ziegelgedeckte Haarhaus (für Flachs, mittelmäßig) ergänzten die der Landwirtschaft des Gutes Hornegg gewidmeten Gebäude. Der Gerichtsdiener verfügte über ein aus Holz gezimmertes, strohgedecktes Häuschen mit einem Wohnzimmer, einem Zivilarrestantenzimmer und einer kleinen Küche, weiters waren hier zwei sehr kleinen und unsichere Arreste untergebracht. Das Haus hatte bis 1816 als Preßgebäude gedient und war dann adaptiert worden. Zum Gerichtsdienerhaus gehörte eine Kuh- und Schweinstallung, gezimmert und strohgedeckt, doch in sehr schlechtem Zustand und bereits einsturzgefährdet. Der Architekt Mathäus Pertsch fertigte im Jahre 1816 im Auftrag der Staatsgüterverwaltung schöne Pläne für die Sanierung und Adaptierung des Schlosses Hornegg an, auch der Ausbau der Nordecke zu einem eckigen Turm war hier bereits vorgesehen. Die innerösterreichische Oberbaudirektion in Graz prüfte die Pläne und stellte fest, daß „solche in Hinsicht des guten Gedanken, wodurch das Schloß ein herrliches Ansehen erhalten würde“ gut seien; der Antrag sei geschmackvoll und nicht allzu kostspielig, daher stimmte die Behörde den Umbauplänen grundsätzlich zu. Die Staatsbuchhaltung allerdings verwarf die Pläne Pertsch‘ 1819 und übertrug die neuerliche Erhebung der Baugebrechen dem Ingenieur Friedrich Mayer, der gerade die Hutweidenverteilung in Preding vornahm. Wieder zogen einige Jahre ins Land, ehe die Sanierung in Angriff genommen wurde. Auf der Lithographie von Joseph Franz Kaiser aus dem Jahre 1825 jedenfalls ist der Nordturm bereits in eckiger Form ausgebildet. Die heutige Gestalt bekam Schloß Hornegg in den Jahren 1875 und 1876 unter seinem kunstsinnigen Besitzer Daniel Lapp, der selbst Architekt und Baumeister war. Die Südwestfassade erhielt einen großen Balkon, Erker wurden angebracht und die gesamte Fassade in historistischem Stil mit Gesimsen, Vasen und Säulenpilastern mit Kapitellen geschmückt. Den mächtigen Nordturm erschließt seither ein Stiegenhaus mit gußeisernem Geländer, die gesamte Dachanlage zieren schmiedeeiserne Accessoires. Die Kuppel des Nordturmes schließt ein Dachreiter nach oben ab. Die Wirtschaftsgebäude, im Osten des Schlosses in einiger Entfernung gelegen und als Wohnungen adaptiert, wurden in jüngster Zeit zum Teil Opfer von Bränden. Die Eigentümer ergriffen die Gelegenheit und ließen den Wiederaufbau von Architekten in modernem Stil durchführen, als bewußten, doch sicherlich nicht unumstrittenen Kontrapunkt zur jahrhundertealten Architektur der Schloß- und Gutsgebäude.

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