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Naturraum, Vor- u. Frühgeschichte

Lebensraum Stainz- und Laßnitztal

Auf den südweststeirischen Hügelzügen zwischen den Tälern von Kainach, Laßnitz und Stainz, im Einzugsgebiet von Teiplbach, Oisnitz, Tobis- und Predingbach, liegen die Gemeinden Preding, Tobis und Wieselsdorf und bilden heute gemeinsam die Marktgemeinde Preding. Mit 291 Metern Seehöhe sind die Pöllmühle nahe der Mündung von Stainz und Laßnitz sowie der Predinger Ortsteil Leitersdorf im Süden am tiefsten Punkt im Gemeindegebiet angesiedelt, das Richtung Norden in Wieselsdorf auf 306 Meter, in Tobis und Kleinpreding auf etwa 310 und im Markt Preding auf 335 Meter ansteigt. Schloß Hornegg mit 356 Metern und der etwa zwanzig Meter höhere Gantschenberg sind strategisch günstig gelegen, der Spiegelkogel mit 388 Metern Seehöhe bietet, wie sein Name schon sagt, einen hervorragenden Ausblick in große Teile der westlichen Mittelsteiermark. Die Hügel sind von Laub-Nadel-Mischwäldern bewachsen, auch Weinreben gedeihen im milden Klima. Die von Graz über Premstätten, Zwaring und durch den Pölsgraben weiter nach Süden führende Straße trifft hier auf die Ost-West-Verbindungen von Wildon nach Stainz und Deutschlandsberg, fast durchwegs den Trassen historischer Altwege folgend und in den letzten Jahrzehnten ausgebaut.

Bodenfunde als Geschichtsquellen

Wenn auch die Gemeinden des Laßnitztales erst seit dem 11. Jahrhundert in den erhaltenen schriftlichen Urkunden erscheinen, so geht die Geschichte menschlicher Siedlungen hier bereits Jahrtausende weiter zurück. Die von Kainach, Laßnitz und Stainz aufgeschütteten Flußterrassen und flachen Kuppen sind aufgrund des günstigen Klimas der Region uralter Kultur- und Siedlungsboden. Kunde davon gibt die Archäologie, die aus Bodenfunden Hinweise auf die Geschichte zu geben vermag, wenn die schriftlichen Quellen versagen. Zahlreich sind auch die durch Zufall bekannt gewordenen Funde, die manchmal schon im frühen 19. Jahrhundert aus der Erde geborgen wurden. Unsere Vorfahren zogen durch viele Jahrtausende als Jäger und Sammler umher, folgten dem Wild und fanden in natürlichen Höhlen, beispielsweise in jenen des mittleren Murtales nördlich von Graz, oder behelfsmäßig selbst gebauten Unterkünften Schutz vor Nacht, Raubtieren und Witterung. Im Laßnitztal konnte bisher noch kein Siedlungsplatz aus der Altsteinzeit gefunden werden. Erst als die Menschen in unserem Raum vor etwa 6000 Jahren, in der sogenannten Jungsteinzeit, seßhaft wurden, erste Dörfer anlegten und mit Ackerbau und Viehzucht begannen, entstanden hier große Höhensiedlungen, etwa am Bockberg, einem Ausläufer des Wildoner Buchkogels, am Wildoner Schloßberg selbst, am Dexenberg in der Gemeinde Lang, am Spiegelkogel in St. Nikolai im Sausal und in Grötsch. Aus Hengsberg, Lamperstätten, Gleinstätten, Lannach, Groß-St. Florian, Gams ob Frauental und Frauental an der Laßnitz haben sich Steinbeile als Zeugen früher menschlicher Siedlung und Arbeit erhalten. Die Nutzung von Kupfer (seit etwa 4000 v. Chr.) und der hochwertigeren Bronze, einer Legierung aus Kupfer und Zinn, seit etwa 2300 v. Chr. weitete die Möglichkeiten für Werkzeuge, handwerkliche Erzeugnisse und Handel aus. Funde aus dieser Epoche stammen vom Kogelbauer in Lamperstätten. Von 1200 bis ca. 750 v. Chr. herrschte ein anderer Grabbrauch vor: Hatten die Menschen bei uns ihre Verstorbenen zuvor in Körpergräbern bestattet, so wurden die Leichname nunmehr verbrannt und in Urnengräbern beigesetzt, in die auch Gefäße mit Nahrungsmitteln gestellt wurden. Damals und in den Jahrhunderten der folgenden Kulturen der älteren und jüngeren Eisenzeit (Hallstattzeit und La-Tène-Zeit, von etwa Mitte des 9. bis Ende des ersten Jahrhunderts vor Christus) und der nachfolgenden Römerzeit entstanden zahlreiche Gräberfelder mit insgesamt hunderten Hügelgräbern, von denen sich trotz Zerstörungen viele bis heute erhalten haben: In Dobl, Muttendorf, Frauental, Gams, Groß-St. Florian, Lannach/Teipl, Lamperstätten, Wieselsdorf, Alling, Wetzelsdorf, Neudorf, Lassenberg, Schönaich, Waldschach, Flamberg, Jahring, Zehndorf, Flüssing, Hühnerberg bei Hengsberg, Lang, Schrötten, Weitendorf, um nur einige der näheren Umgebung zu nennen. Aufgrund ihrer wertvollen Grabbeigaben – am bekanntesten die Maske und die Hände aus getriebenem Goldblech – sind die hallstattzeitlichen Fürstengräber von Klein-Klein im benachbarten Sulmtal von internationaler Bedeutung. Den nachfolgenden Generationen von Siedlern prägten sich die Grabhügel als Landmarken ein, und bis heute sind sie, wenn auch an der Oberfläche oft nicht mehr erkennbar, in manchen Flurnamen präsent: Die Leberäcker im südlichen Tobis etwa, knapp nördlich der Straße Preding–Wieselsdorf gelegen, verweisen darauf, daß sich hier einst „Leber“, Grabhügel (von mhd. le = der Grabhügel) befanden, ebenso in Lebing, am Leechkogel in Frauental sowie bei den Leberäckern und -wäldern in Guglitz bei Hengsberg und in Kehlsdorf. In der jüngeren Eisenzeit, dem letzten halben Jahrhundert vor der Zeitenwende, dominierten die Kelten mit ihrer Kultur und ihrem begehrten Qualitätsprodukt, dem norischen Eisen, das Gebiet der nachmaligen Steiermark – ein Stammesbund unter Führung der Noriker, seit dem zweiten Jahrhundert vor Christus als Königreich Noricum organisiert. Die Hauptstadt Noreia, wo 113 v. Chr. ein römisches Heer von den germanischen Stämmen der Kimbern und Teutonen besiegt wurde, ist noch nicht lokalisiert. Neben den genannten Gräbern sind aus unserer näheren Nachbarschaft auch zufällige Funde von Tonfragmenten bekanntgeworden, so aus Groß-St. Florian, Lamperstätten, St. Nikolai im Sausal und Wettmannstätten. Die Kelten Noricums pflegten so enge Nachbarschafts- und Handelsbeziehungen zu den Römern, daß sie der Eingliederung als Provinz ins römische Weltreich durch Kaiser Augustus im Jahre 15 v. Chr. keinen Widerstand entgegensetzten. Von der neuen Provinzhauptstadt Virunum am heutigen Kärntner Zollfeld aus verwaltete ein römischer Prokurator die Provinz, die alte keltische Siedlung am Frauenberg bei Leibnitz löste das 70 n. Chr. durch Kaiser Vespasian gegründete Munizipium Flavia Solva mit einem bis in die Obersteiermark reichenden Stadtbezirk ab. Die Kelten, wiewohl nun romanisiert, pflegten ihre Kultur weiterhin, wie ihre Trachten auf Grabsteinen der römischen Kaiserzeit zeigen. Recht gut vorstellbar ist die Besiedelung des unteren Laßnitztals zur Römerzeit. Von Flavia Solva ging eine Straße durch das Leibnitzer Feld nordwärts über das nachmalige Stangersdorf, Schönberg, Schrötten und Leitersdorf, um hier oder bei Zehndorf die Laßnitz zu überqueren, bei Grünau, wo eine römische Villa ausgegraben wurde, den Talrand zu verlassen und in Talmitte über Lebing und Krottendorf weiter nach Deutschlandsberg zu führen. Die genannten Orte bestanden zwar noch nicht in ihrer späteren Form, sehr wohl jedoch lagen entlang der Straße in Abständen von jeweils nur einigen Kilometern römische Gutshöfe und Dörfer, so in Stangersdorf, Schönberg, Schrötten (beim vlg. Kreuzbauer), auf den „Gamsäckern“ in Leitersdorf, Lamperstätten (Kogelbauer, ein schon lange vor den Römern genutzter Siedlungsplatz), Zehndorf (Müllerwirt), Wettmannstätten und so weiter. Auffallend ist, daß die Siedlungsplätze im Tal so gewählt wurden, daß sie bei Hochwasser nicht überschwemmt werden. Römische Streufunde stammen aus dem Gebiet nördlich der Pöllmühle, die Flur „Steinfarth“ zwischen der Straße Preding–Pöls und dem Predingbach trug noch um 1820 Merkmale einer römerzeitlichen Quadraflur. Ein letzter römerzeitlicher Grabhügel in Leitersdorf, er hatte offenbar eine Grabkammer aus Leithakalk-Quadern enthalten, fiel leider 1982 der Planierung zum Opfer. Im Zuge einer Vorausgrabung des Bundesdenkmalamtes auf der Trasse der Koralmbahn konnte aber immerhin vor etwa einem Jahr in Leitersdorf eine römerzeitliche Grabanlage aus dem ersten Jahrhundert n. Chr. gefunden und dokumentiert werden. In diesem, etwa drei mal drei Meter großen Grab war die Asche einer verstorbenen Frau beigesetzt worden.

Von der Antike ins frühe Mittelalter

Die germanischen Stämme der Markomannen und Quaden zerstörten auf ihrem Zug nach Aquileja im Jahre 169 nach Christus die Stadt Flavia Solva. Derartige Einfälle ins römische Reich nahmen in den folgenden Jahrhunderten zu, bis 476 der germanische Heerführer Odoaker den letzten weströmischen Kaiser Romulus entmachtete. Die romanische Bevölkerung Norikums erhielt den Befehl, sich nach Süden zurückzuziehen. Der Ostgotenkönig Theoderich und seine Nachfolger beherrschten unser Gebiet von 493 bis 552, nach der Niederlage der Goten gegen die oströmischen Byzantiner wanderten gegen Ende des 6. Jahrhunderts die Römerstraßen entlang aus dem Osten im Gefolge der Awaren die Slawen in Pannonien und Noricum ein, westlich bis hin zum Pustertal. Ihr Fürstentum Karantanien, das vom Drau- bis zum Mur-/Mürztal reichte, grenzte im Norden an das Herzogtum Bayern, das durch ehemals in Böhmen und Mähren siedelnde germanische Stämme gegründet worden war. Kurz vor dem Jahre 600 berichten Quellen von Kämpfen zwischen Bayern und Karantanerslawen. Die Slawen siedelten sich auf den von den Romanen verlassenen Fluren an und bewirtschafteten diese als Bauern. Zahlreiche Fluß-, Orts- und Flurnamen der Steiermark sind slawischen Ursprungs, einige unseres Raumes werden unten noch besprochen werden. Um 750 baten die Karantanerslawen ihre Nachbarn, die Bayern, um Hilfe gegen die Awaren, die sie zu unterdrücken drohten. Der bayrische Herzog mit seinem Heer half bereitwillig, nicht ohne jedoch das karantanische Fürstentum seiner Oberhoheit zu unterstellen. Bis in die 820er Jahre mußten einige Slawenaufstände niedergeschlagen werden, dann verlor Karantanien seine eigenen Herzoge und wurde wahrscheinlich durch fränkische Grafen verwaltet. Das bayrische Herzogtum hatten die Franken schon 788 unter Karl dem Großen ihrem Reich einverleibt. Grund und Boden Karantaniens waren nun Gut des fränkischen Königs geworden, dieser gab das Land in oft umfangreichen Schenkungen an die Kirche und an getreue Adelige. Die neuangelegten großen Gutshöfe wurden Ausgangspunkte der Erschließung des Landes, begleitet von der Christianisierung durch die Missionare der Bischöfe von Salzburg und Aquileja. Solche Missionsstützpunkte knüpften fast immer an frühere antike Siedlungen an; in unserem Raum die Urpfarre St. Martin in Altenmarkt bei Leibnitz nahe Flavia Solva, die später nach St. Florian verlegte Urpfarre bei der dem heiligen Markus geweihten Vorgängerkirche des Ulrichkirchleins von Frauental, direkt an der Römerstraße gelegen, oder auch die Urpfarre St. Lorenzen am Hengsberg mit ihren Tochterpfarren St. Margarethen und St. Magdalena (Wildon), alle drei Patrozinien Hinweise auf frühere, antike und frühgeschichtliche Vorgängersiedlungen. Die Kirche von Frauental mit ihrem rekonstruierten vorigen Patrozinium hl. Markus stammt möglicherweise noch aus der Mission von Aquileja und erhielt den hl. Ulrich, Bischof von Augsburg, erst nach dessen Heiligsprechung 993 als neuen Kirchenpatron. 811 war nämlich durch Kaiser Karl den Großen die Drau als Grenze zwischen den Missionsgebieten von Salzburg und Aquileja festgelegt worden.

Die Aribonen, Salzburg und der „Hengist“

Die Besitzgeschichte des Sausals und des Laßnitztales ist in den folgenden Jahrhunderten eng mit dem Erzstift Salzburg und der mächtigen, mit dem Königshaus verwandten Adelsfamilie der Aribonen verknüpft. Salzburg bekam vom König 860 neben obersteirischen Gütern auch solche an der Sulm geschenkt bzw. bestätigt und erhielt bald darauf auch die große Herrschaft Pettau übertragen. Das Werk der Besiedlung und des Landesausbaues wurde in den Jahren um 900 durch Einfälle des Reitervolkes der Magyaren gestört – ob es damals tatsächlich zur Verödung unseres Raumes kam, ist von der Forschung noch nicht endgültig geklärt. 907 jedenfalls erlitt das königliche Heer unter einem Grenzgrafen bei Preßburg eine schwere Niederlage, die als einer der wenigen bayrischen Adeligen der Ostmarkgraf Aribo überlebte. Vielleicht erhielt bereits er um diese Zeit vom König jenen Besitzblock des „Hengist“ (nach der Landmarke des langgestreckten Wildoner Bockberges und Buchkogels) an der unteren Laßnitz und im nordöstlichen Sausal, zwischen Stainzbach, Kainach, Laßnitz, Mur und Teufelsgraben, geschenkt, der später im Eigentum seiner Nachkommen begegnet und in dem später auch Wieselsdorf, Tobis, Preding und Leitersdorf liegen. Fünfzehn Jahre nach dem Sieg über die Magyaren in der Schlacht am Lechfeld bei Augsburg (am Laurentiustag, dem 10. August des Jahres 955) konnte Kaiser Otto I. im Jahre 970 dem Erzbischof von Salzburg unter anderem den Hof zu Udulenidvor alias Nidrinhof (später Frauental) mit 50 noch auszumessenden Huben schenken, im Gebiet zwischen Laßnitz, Koralm, Sulm und Sausal, wo damals sicherlich schon einzelne Kirchen standen. Möglich auch, daß es sich hiebei lediglich um die Erneuerung älterer Schenkungen handelte. Die Ergebnisse der umfassenden Studie Karl Brachers aus dem Jahre 1957 seien hier kurz zusammengefaßt. Der gleichnamige Enkel des Ostmarkgrafen Aribo, der Pfalzgraf Aribo (Arpo), mit seiner Ehefrau Adala um 1000 Gründer des Kanonissen- und späteren Benediktinerinnenstiftes Göß bei Leoben, hatte sechs Kinder, von denen der Sohn Aribo Erzbischof von Mainz und die Tochter Kunigunde erste Äbtissin von Göß wurden. Pfalzgraf Hartwig gab zwischen 1025 und 1030 dem Salzburger Erzbischof Thietmar II. gegen Erlaß von Zehenten auf Liegenschaften bei Straßgang sein Gut an der Laßnitz, „predium quod iuxta Lonsniza fluvium habuit“, zu Eigen. Zu diesem in der Urkunde nicht näher umschriebenen Gut gehörten sicherlich der Hang des Wildoner Buchkogels im Bereich des Zehenthofes Weiching (später Freibühel) und Kehlsdorf, da es sich jedoch um einen umfangreichen Besitz handeln mußte, waren möglicherweise große Teile der späteren Herrschaft Hornegg, also vielleicht das Gebiet von Preding und Tobis, miteingeschlossen. Über die Hornegger kamen diese Güter in der Folge an die Herren von Saurau. Hartwigs Bruder Chadilhoch besaß Prarath im Sulmtal. Hartwigs Schwester Wichburg, um das Jahr 1000 Gründerin des Stiftes St. Georgen am Längsee in Kärnten, war mit Otwin von Sonnenburg verheiratet und besaß Huben und Weingärten in Grötsch, Burgstall, Schirka und Wieselsdorf, die an ihre Nachkommen, die Grafen von Heunburg, und von diesen an die Pfannberger und Pernegger gelangten. Hartwigs Schwester Hiltiburg, vermählt mit Udalschalk, Graf im Kärntner Lurngau, wiederum nannte Güter in Schwanberg, Stangersdorf, Grötsch, Göttling, Stangersdorf, Lebring, Lang, Bachsdorf und Jöss ihr Eigen, die über ihre Kinder Altmann, Eppo, Waltchuon, Waltfried und Liutpirg und deren Nachkommen zum Teil als Stiftungen an die Klöster Rein und Suben, an das Bistum Brixen oder an die Pfarrgülten von Hengsberg und Wildon kamen, sofern sie nicht Eigengüter hochadeliger Familienzweige blieben. Die Schenk von Rabenstein könnten so durch ihre Versippung mit den Herren von Weißenegg auch die Weingärten von Kleinpreding an diese Herrschaft weitergegeben haben. Mittelpunkt dieses aribonischen Herrschaftsgebietes war wohl ein befestigter Hof zu St. Lorenzen am Hengsberg, dem Sitz der alten Pfarre des unteren Laßnitztales. Dem Erzstift Salzburg gelang es im Verlauf des 11. Jahrhunderts, seinen Besitz in unserem Raume weiter zu arrondieren. 1045 schenkte König Heinrich III. dem Erzbischof Balduin das königliche Kammergut Leitersdorf an der Laßnitz, gelegen in der Markgrafschaft Gottfrieds und im Forst Sausal („predium quale visi sumus Liutoldasdorf habere, in comitatu Gotefridi marchionis et foresto Susel iuxta litus Losnicae fluminis situm“). Etwa fünf Jahre später tauschte Balduin mit Wolfolt und dessen Sohn Irmfried Güter an der Laßnitz gegen solche zu Knittelfeld ein; dabei wird es sich um das nach Wolfolt benannte Wohlsdorf handeln. Als der Erzbischof um 1050 mit Waltfried und Eppo, Söhnen des oben genannten Grafen Udalschalk, Güter zu Kapell bei Arnfels ertauscht und ihnen Zehente zu Kraubath (an der Mur), Rein, Hengsberg, Friesach und Peggau erläßt, bezeugen dies neben anderen Wezil, Wolfolt, Gerhart und ein Pezili – Vornamen, wie wir sie in den Ortsbezeichnungen von Wetzelsdorf, Wohlsdorf (ca. 1135 Wolvoldesdorf), Gersdorf (1300 Gerlosdorf, 1434 Gerhartsdorf) und Petzelsdorf finden. 1056 und 1059 ist wieder Erzbischof Balduin Nutznießer einer Schenkung, als Kaiser Heinrich III. ihm drei bzw. fünf königliche Huben zu „Gumbrahtdessteiden“ bzw. „in villa Gunprehtesteten“ widmet; worin zurecht St. Florian an der Laßnitz gesehen wird. Daneben existieren mehrere Bestätigungsurkunden für Salzburg aus dieser Zeit. 1063 schließlich geben Markwart von Eppenstein und dessen Ehefrau Liutpirg, Tochter des Udalschalk, dem Erzbischof Gebhard von Salzburg neben anderen Gütern ihre Zehente in dessen Diözese, das Gut Otternitz sowie ihren Anteil an der Burgkirche von Hengist. Ob diese Kirche schon am Wildoner Schloßberg oder immer noch in St. Lorenzen am Hengsberg stand, muß die Forschung noch eindeutig klären. Tatsache ist, daß sich nach Aussage der Annalen des deutschen Stiftes Fulda in Hengistfeldon im Jahre 892 der deutsche König Arnulf mit Herzog Brazlaw von Sissek traf, um Maßnahmen zur Abwehr des mährischen Fürsten Zwentibold zu beraten. Als 970 der Markengürtel im Osten des Reiches angelegt und die Mark an der mittleren Mur errichtet wurde, baute dieses System wohl auf Vorgängereinrichtungen auf; Sitz des Markgrafen aus der Familie der Eppensteiner wurde die Hengistburg. Mit der Markgrafschaft war neben der Organisation der Verteidigung auch die Gerichtsbarkeit verbunden. Die Eppensteiner, durch königliche Schenkungen noch mächtiger geworden, bekleideten von 1012 bis zu ihrem Sturz 1035 und später von 1077 bis 1122 auch die Kärntner Herzogswürde. Ihre Nachfolger in der Mark wurden 1035 die Grafen von Wels-Lambach, später die Grafen aus dem Hause der Traungauer. Die Traungauer, mit dem Kaiserhaus und anderen mächtigen Familien des Reiches verwandt, verbanden die Mark mit den obersteirischen Grafschaften und schufen allmählich ein geschlossenes Territorium, das 1180 zum Herzogtum erhoben wurde. Nach ihrer Burg Steyr erhielt die Mark ihren Namen. In jenen unruhigen Jahrzehnten, die das Reich aufgrund innerer Rivalitäten, äußerer Bedrohung und besonders von 1076 bis 1122 im Kampf zwischen Kaiser und Papst um den Einfluß auf die Kirche, dem sogenannten Investiturstreit, erlebte, eroberte 1053 nach einem Bericht der Altaicher Annalen der aufständische und nach Ungarn geflohene Herzog Konrad von Bayern mit ungarischer Unterstützung die Hengistburg, die „urbs Hengistiburc“, mußte sie jedoch wegen der Angriffe der umliegenden Bevölkerung bereits im März 1054 wieder räumen und fliehen. Die Königsschenkungen von 1056 und 1059 an den Salzburger waren auch als Lohn für dessen Treue zum König gedacht. Das Bistum Brixen erhielt 1056 von Kaiser Heinrich III. in diesem Zusammenhang das Gut Oisnitz übertragen, das dem Eppo, Sohn des Grafen Udalschalk, wegen Hochverrats aberkannt worden war. Als die Traungauer Markgrafen und Herzöge mit Otakar IV. im Jahre 1192 ausstarben, ging gemäß Erbvertrag von 1186, der „Georgenberger Handfeste“, ihr Land an die Babenberger über. Die Herren von Wildon, als Erblandmarschälle im Kriegsfalle Anführer des steirischen Aufgebotes, Gründer des Augustiner-Chorherrenstiftes Stainz, stiegen unter Traungauern und Babenbergern zur mächtigsten Adelsfamilie und zu „Herzogmachern“ der Steiermark auf, die nach dem Aussterben der Babenberger 1246 die Ungarn, dann die Böhmen und schließlich 1276 die Habsburger ins Land holten. Im Gefolge der Wildonier begegnen 1219 Hugo von Flüssing und Walchun von Preding.

Preding 1202?

Bei einer so traditionsreichen, bis in die Jungsteinzeit zurückreichenden Besiedlungsgeschichte, wie sie das untere Laßnitztal aufweist, ist vielleicht weniger wichtig, wann einzelne Orte in den oft nur durch glückliche Zufälle auf uns gekommenen Urkunden des Mittelalters erstmals auch schriftlich genannt sind. Es geht uns hier um jene Urkunde vom 14. März 1202, mit der Papst Innozenz III. dem Abt und dem Konvent des Kärntner Zisterzienserstiftes Viktring den Besitz eines „predium in Bredingen cum pertinentiis suis“, eines Gutes zu Bredingen mit allem Zugehör, bestätigt, das dem Stift durch den Erzbischof von Salzburg und den Herzog von Österreich gewidmet worden war. Dieses Gut Bredingen wurde von den Herausgebern des Steiermärkischen Urkundenbuches (Joseph von Zahn) und der Kärntner Urkunden (August von Jaksch) jeweils mit Preding bei Wildon gleichgesetzt. Abgesehen davon, daß bisher keinerlei weitere Belege über einen Besitz Viktrings im Laßnitztal gefunden wurden, ist eher unwahrscheinlich, daß der Erzbischof von Salzburg aus seinem, wie oben ausgeführt, schon im 11. Jahrhundert recht geschlossenen Besitz im Laßnitztal und Sausal wieder ein beträchtliches Stück weggegeben haben sollte. Ein Schwerpunkt des stiftischen Besitzes lag hingegen um Marburg, wo Viktring seit 1143 Schenkungen erhielt und um 1500 bereits 24 Häuser besaß, dazu kamen in benachbarten Ämtern zahlreiche Untertanen mit Bergrechten, also Zinsen von Weingärten. Der Besitz wurde vom kurz nach 1220 erworbenen Viktringhof in Marburg aus verwaltet. Nun gibt es allerdings nordöstlich von Marburg bei St. Leonhard in den Windischen Büheln den Ort Partin (heute Partinje), der in den älteren landesfürstlichen Urbaren des 13. Jahrhunderts als Pertin, aber mehrmals auch als Pretin, Pretyn, Bretyn vorkommt. Das Dorf gelangte 1525 vom Landesfürsten an die Herbersteinische Herrschaft Pettau; möglicherweise hatte das Stift andere Güter hiefür eingetauscht. Sehr bald trennte sich Viktring auch von jenen Huben in Deuchendorf und Parschlug (Mürztal), die es 1203 erhielt und 1257 an Rein, ebenfalls Zisterzienserstift, verkaufte. Im Falle einer Veräußerung von Bredingen wäre die Zisterze Rein als seit Gründungstagen in der unmittelbaren südwestlichen Nachbarschaft begüterte Grundherrschaft wohl der erste Anwärter gewesen, hätte es sich bei diesem Gut tatsächlich um unser Preding gehandelt. Außer Preding bei Weiz nennen die Urkunden mit steirischen Betreffen noch einen Ort in ähnlicher Schreibweise: Preg und Preggraben bei Kraubath an der Mur. Herbord von Preding verkauft 1290/1319 einen Wonzehent dem Stift Seckau, 1433 etwa verkauft Ulrich von Stubenberg dem Propst von Seckau Gülten und Zehente u. a. „in der Preding“, 1431 erhält das Stift Seckau von den Durrenbergern Güter zu „Predigarn“ (Preg). 1448 bestätigen Richter und Rat zu Judenburg eine Erbteilung zwischen Michel Predinger und seiner Schwägerin Margareth, Witwe nach Melchior Predinger; betroffen waren u. a. „ain hoff ze Predingern“, ein Wald „in der Predig“ und eine Hube „ze Predingern im darff“, gemeint wohl Preg und Preggraben. Nach den unterschiedlichen Orten nannten sich auch verschiedene Familien, woraus sich die Ungleichheit der Siegel erklärt. Ortsnamen wie Breitingen, Bredingen, Brettingen, Brethingen, Brittingen und in ähnlichen Schreibweisen sind häufig aus dem mittelalterlichen Sachsen überliefert, scheiden für unsere Überlegungen aber ebenso aus wie wohl jenes Bretingen, das 1186 an der Vils in Bayern erwähnt wird.

Namenkundliches

Wichtige Hinweise zur Siedlungsgeschichte sind aus dem Namengut der Flüsse, Orte und Fluren zu gewinnen – mit einiger Vorsicht auf der Grundlage verbürgter Nennungen, möglichst aus dem Mittelalter. Auch müssen die Deutungen die Realprobe in der Natur bestehen können. Von den Ortschaften unserer Gemeinde sind Leitersdorf (1045 Liutoldasdorf, Dorf oder Hof eines Leutold) und Wieselsdorf (1265 Willherstorf, später Wilhalmsdorf, Dorf oder Hof eines Wilhelm) noch am leichtesten zu erklären. Tobis (1265 verschrieben Bobors wohl für die später übliche Form Dobers) wird wohl weniger mit slaw. dob = gut als mit slaw. dob = die Eiche zu tun haben, bedenkt man die in der Flur in Dorfnähe genannten Eichäcker und besonders die an der Grenze zur Katastralgemeinde Preding liegenden Flur „Eichig“. Preding (1202 Bredingen, 1219 Pretingen) selbst wurde bisher meist aus slaw. „pred“ = das Vordere hergeleitet; die ähnlichen deutschen Ortsnamen werden allerdings aus ahd. breit, as. bred = breit, ausgedehnt, erklärt, wenn sich nicht ein altgermanischer Vorname Prodo dahinter verbirgt. Weit in die slawische Besiedlungszeit zurück reichen die Flußnamen der Laßnitz (890 Luonzniza, Waldbach) Stainz (1160 Stauwencz, saurer Bach) und Oisnitz (als Ortsname um 1130 Olsnicz, 1265 Elschencz, Erlenbach), während die Kainach (im 11. Jh. Cheinahe) als „konige = lehmige Ache“ deutsch benannt ist. Teipl (14. Jh. Deupel) und Pöls (1265 als Ortsname Polcz, der obersteirische Fluß um 1080 Pels) entzogen sich bisher einer Deutung. Schloß Hornegg wird, obwohl die Hornegger als redendes Wappen ein Widderhorn im Siegel führten, eher von ahd. und mhd. hor = Sumpfboden kommen und die (zutreffende) Lage über einem solchen bedeuten. Ahd. horn = Felsspitze würde zusammen mit -egg ein Pleonasmus sein. Slawisch könnten auch die Graden (sl. grot = Trichter, Abgrund), Zlem (sl. Sléme = Bergrücken), Gantschen (1431 am Gonschnigk, sl. konËar = am Ende des Dorfes wohnend?), die Iwetzäcker in Wieselsdorf (sl. ilovec = Lehmboden) sein. Der Saugraben hat seine Wurzel vielleicht im idg. *seu-, das in zahlreichen Namen mit der Bedeutung „naß“ erscheint, der Muggaubrunnen in der Katastralgemeinde Tobis hängt eventuell mit got. muk = sanft, weich (moosig oder sanft hervorquellendes Wasser) zusammen. Das Maineggfeld, von der Tobiser Gemeinde 1678 erworben und damals schon so bezeichnet, könnte in ahd. manag = mannig oder in sl. manj = minder, weniger seine Erklärung finden. Mit „Gmein“, dem gemeinsamen Besitz der Tobiser Bauern, dürfte der Name nichts zu tun haben. Der Spiegelkogel als Spähberg hat seinen Namen von lat. specula = Warte, Anhöhe, der Wongraben vielleicht von ahd. wan = nicht voll. Ob der Pagglgraben mit ahd. bah = Rücken, rückwärts liegend oder mit der indogermanischen Wortwurzel pak (Buche) zu tun hat und der Höllgraben mit ahd. hol, mhd. hole = Enge, Engpaß? Die Alm in Kleinpreding wird trotz ihrer vergleichsweisen niedrigen Lage ahd. alba, mhd. albe = die Bergweide sein. Die Leberäcker sind mit ahd. hleo, mhd. le = Grabhügel zu erklären, die den Siedlern des frühen Mittelalters davon Kunde gaben, nicht die ersten Menschen in diesem Raum gewesen zu sein.

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