Zum Inhalt.

Zur Navigation.

 

Die Pramer und ihre weststeirischen Gülten

Pramerhof, Pramergraben, Pramerteich, Pramergarten – Namen, die heute noch im Gebiet der Katastralgemeinde Tobis bekannt sind. Benannt sind diese Örtlichkeiten nach den Herren von Pram, einer kleinadeligen Familie, die in der Steiermark, in Salzburg und in Krain vom 14. bis 16. Jahrhundert begegnet. Die gesicherte Genealogie setzt ein mit Konrad dem Pramer (um 1390–vor 1446 ), Pfleger der Burg Schärffenberg in Krain und landesfürstlicher Türhüter. Möglicherweise stammte die Familie aus der Gegend der im Tal der Reka liegenden Herrschaft Prem und erwarb sich Verdienste als Burggrafen. Konrad Pramer jedenfalls besaß im Jahre 1424 bereits Eigengüter, Weingärten und Zehente zu Neudorf, Tobis, Gersdorf, Gams, Stainz und Stallhofen – Besitzungen, die im folgenden Jahrhundert noch durch landesfürstliche und erzbischöflich-salzburgische Lehen erweitert wurden. Da aber auch die Saurau 1432 in Tobis Besitz hatten, besaßen beide Familien dieses Dorf offenbar gemeinsam; vielleicht bestanden auch verwandtschaftliche oder rechtliche Beziehungen zwischen ihnen oder zwischen den Pramer und den Horneckern, die ja beide um die gleiche Zeit Pfleger der krainischen Burg Schärffenberg waren. Beim Tode des Konrad Pramer waren seine Kinder Andreas und Kathrey noch nicht mündig, weshalb Reinprecht Grabner als Gerhab (Vormund) eingesetzt wurde. Er verkaufte im Oktober 1455 an Rueprecht den Trienter um 768 Gulden einen Teil der oben genannten Güter, darunter zu „Tobers“ zwei halbe Höfe, vier halbe Huben, drei Hofstätten, drei Wiesen und nicht weniger als 32 Bergrechte, also Abgaben von Weingärten. Doch 1461 übernahm der nunmehr volljährige Andreas Pramer diese Güter wieder, auch wurde er mit dem Türhüteramt belehnt. 1470 begegnet Andreas als Pfleger der landesfürstlichen Burg Gösting, 1475 klagte er gegen Hanns Welzer wegen Steuerrückständen (worauf dieser vom Landesverweser Wilhelm von Saurau ein Mahnschreiben erhielt) , einige Jahre später sehen wir ihn während der Ungarnkriege unter Kaiser Friedrich III. 1479 und 1480 als Landesverweser, also Vorsitzenden der Landschranne als adeligem Gericht, sowie von mindestens 1482 bis 1484 als Verweser der Landeshauptmannschaft, jeweils in Angelegenheiten der Landesverteidigung und Rüstungsfinanzierung. Von seinen Gütern im Viertel zwischen Mur und Drau zahlte er im Jahre 1478 eine Steuer in Höhe von sechs Gulden. Von den Söhnen des Andreas Pramer wählte Johannes (um 1460–1512/13) die geistliche Laufbahn, war Doktor der Theologie, Pfarrer im obersteirischen Pöls, Domherr, Kanzler und Generalvikar in Salzburg, zeitweise Stadtpfarrer von Salzburg und Pfarrer von Hallein. Sein Bruder Christoph Pramer (geb. 1481), Urbarrichter des Salzburger Domkapitels, übernahm die väterlichen Güter, starb jedoch bereits 1516; seine Witwe Ursula Paniquar, aus Krainer Familie stammend, vermählte sich in zweiter Ehe mit Wolfgang von Eggenberg. Die Erben nach Christoph Pramer legten 1527 das Leibsteuerverzeichnis ihrer Untertanen vor; von Gütern in Tobis ist hier nicht mehr die Rede. Unter Hans Pramer, Christophs Sohn, scheint der Niedergang der Familie eingesetzt zu haben. Wiewohl ebenfalls landesfürstlicher Türhüter, war er 1543 wegen Mordes flüchtig; Mutter und Ehefrau Eva von Aichelburg baten die Landstände, sich beim Kaiser für die Begnadigung des Sohnes bzw. Ehemannes einzusetzen. Ein Jahr zuvor hatte Hans Pramer von seinen Gütern die Gültschätzung abgegeben: unter wenig anderem erhielt er jährlich von den Untertanen 5lb.22d. Zins, vom Amtmann in Gersdorf ein Pfund Pfennig für das Richterrecht, „zu Dobers und Gersdorf“ 41 Wassereimer Most sowie Zinshafer – den Weinzehent bei Stainz hatte er bereits an seinen Schwager Wilhelm von Rottal, Ehemann seiner Schwester Sibylla, weitergegeben. Das Pramersche Amt Tobis gelangte um 1570 durch Kauf an die benachbarten Saurau auf Hornegg, die es im Verkaufsurbar der Herrschaft 1603 als „vom Pramer erkauft“ benannten. Der Pramerhof zu Tobis blieb bis Anfang des 18. Jahrhunderts Dominikalgut der Herrschaft Hornegg und wurde dann an zwei Keuschler ausgegeben (vlg. Hoffeldfastl und Hoffeldjörgl), die gegenüberliegenden Hofäcker ebenfalls zur Nutzung an Untertanen. Die Gülten zu Gersdorf erhielt Hansens Tochter Esther, die sie 1583 an ihren Ehemann Hans Frölich verkaufte. 1602 verkaufte dessen Sohn Hans Dietrich den Pramerhof zu Gersdorf an Georg Sigmund zu Wildenstein, der ihn mit seiner Herrschaft Wildbach verband. Das Geschlecht der Pramer jedoch war mit Hans II. dem Pramer bereits im Jahre 1572 im Mannesstamm ausgestorben.

» zurück

» zum Seitenanfang